Wir sind für Sie da!

Seelenstreichler – Kraftquellen

5. Juni 2020 – Zum Anschauen und Zuhören

Was ist noch da in Corona Zeiten, das meine Seele streichelt? Kraftquellen die mich stärken, wo vieles nicht so möglich war und ist wie sonst? Wo Nähe von Distanz abgelöst wird?

Mir tut es gut in der Natur zu sein. Sich in der Umgebung mit einem lieben Menschen zu treffen und loszulaufen. Neue Wege kennen lernen. Atmen. Die Ruhe spüren. Den Blick in die Weite schweifen  lassen. Wolken über den blauen Himmel ziehen zu sehen. Die Sonne auf der Haut spüren. Kornblumen im Getreidefeld, das sich im Wind wiegt. Das Rauschen des Windes in den Blättern. Eine Quelle plätschert. Die Füße in glitzerndes Wasser zu halten, Vögel zwitschern zu hören. Ein Weg der sich in der Ferne verliert. Blumen am Wegesrand. Frisches Grün.

Erfüllt kehre ich nach Hause zurück. Bilder im Herzen und in der Kamera. Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit in der Natur. In Gottes Schöpfung – Siehe, es war sehr gut!

Kraftquellen – ein Seelenstreichler Impuls von Dagmar Kipp und Christine Fößel.
 

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Ein kleiner Verwirr-Impuls

Ein kleiner Verwirr-Impuls – Martin Neubauer

4. Juni 2020 – Zum Anhören und Mitlesen

Wir werden gern nervös, wenn es nicht „nach Plan läuft“, wenn wir die Kontrolle verlieren und nicht weiter wissen. Wir reagieren oft ängstlich, wenn sich – wie in diesen Monaten – uns Unberechenbares in den Weg stellt.

Gott hat uns den Verstand gegeben, damit wir ihn nutzen. Und das ist gut so.

Aber mitunter ist der Kopf ratlos. In kleinen wie in gewichtigen Fragen, die uns bedrängen. „Reiß dich zusammen!“ – kein sonderlich inhaltsreich aufbauender Satz! „Hab Gottvertrauen!“ – das klingt dann mitunter betulich, oder gar wie ein leiser Vorwurf, dass es uns im Grunde fehle.

In solchen Augenblicken ist mir eine Legende hilfreich, die über Franz von Assisi erzählt wird. Durchaus möglich, dass sie bei diesem immer für Überraschungen guten Heiligen der historischen Wahrheit entspricht. Wussten Sie, dass Gottvertrauen, etwas Spielerisches sein kann?

Aus den „Fioretti“, den „Blümelein des heiligen Franz von Assisi“:

«Eines Tages kam Franziskus mit Bruder Masseo unterwegs zu einer dreifachen Weggabelung, von wo aus man nach Florenz, Siena und Arezzo gehen konnte. Bruder Masseo, der vorausging, blieb stehen: „Welchen Weg sollen wir gehen?“ Franziskus antwortete: „Den, welchen Gott will.“ Da sagte Masseo: „Und wie können wir erfahren, was der Wille Gottes ist?“ Franziskus antwortete: „Auf ein Zeichen hin, das ich dir zeigen werde. Drehe dich an der Stelle, auf der du stehst, im Kreis, wie es Kinder tun, und höre nicht damit auf, bis ich es dir sage.“ Also begann sich Bruder Masseo im Kreis zu drehen. Und er drehte sich so schnell, dass er wegen des Schwindels im Kopf mehrmals zu Boden fiel. Da aber Franziskus ihm nicht Einhalt gebot, raffte er sich wieder auf und begann von neuem. Nachdem er sich lange so gedreht hatte, rief ihm Franziskus zu: „Bleib stehen und rühre dich nicht.“ Er blieb stehen, und Franziskus fragte ihn: „In welche Richtung schaut dein Gesicht?“ Bruder Masseo antwortete: „Nach Siena.“ Darauf Franziskus: „Dann ist das der Weg, den wir nach Gottes Willen gehen sollen.“»
 

Martin Neubauer


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O komm, Du Geist der Wahrheit – La Brasserie

3. Juni 2020 – Zum Anhören und Lesen

Das Lied „O komm, du Geist der Wahrheit“ (EG 136) haben die Mitglieder der Brasserie zu Hause aufgenommen. Die Stimmen wurden danach elektronisch übereinander gelegt und so entstand das virtuelle Bläserensemble.

Aktuelle Besetzung des Bläserensembles "La Brasserie":

Trompete: Tobias Findel, Christoph Herde, Stephan Hertlein, Lukas Jakob, Hans Kirchner und Peter Jaskiola
Althorn: Hermann Kübler
Posaune: Andrea Herbert, Doris Hack, Heinz-Friedrich Kiel, Georg Geyer und Norbert Stumpf
Tuba: Brigitte Kiel und Christof Henzler
Leitung: Norbert Stumpf und Markéta Schley Reindlová

Technische Bearbeitung des Beitrags: Holger Matthes und Markéta Schley Reindlová


Liedandacht zum Lied „O komm, du Geist der Wahrheit“ EG 136

Ein Geburtstagslied wollen wir singen mit vollem Herzen zum Geburtstag der Kirche – auch in dieser besonderen Zeit. Was für eine Sehnsucht hat sich angestaut in den langen Wochen des selbstgewählten Rückzugs in die eigenen vier Wände – damals  bei den ersten Christen wie heute – aus Angst, mithineingezogen zu werden in den Strudel des Todes – damals die Ermordung Jesu, heute Covid 19.

Eine Sehnsucht nach dem Geist der Gemeinschaft, der Freiheit, des Vertrauens, wie es die Jünger mit Jesus erlebt hatten, wenn er frei und offen zu ihnen gesprochen hatte und damit Mauern eingerissen hatte, Mauern der engen Herzen, der Einsamkeit, der Lebenslügen.

O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

„Rühr Herz und Lippen an“ – aus vollem Herzen haben es Bläser aus den Posaunenchören unseres Dekanats Bamberg, der Brasserie, geblasen, jeder für sich alleine mit Handy und Laptop aufgenommen, zusammengefügt von Marketa Schley-Reindova zu dem Klang, den wir Bläser so lange vermissen, voller Sehnsucht wieder gemeinsam proben zu dürfen.

Ohne diesen Geist gäbe es die Kirche nicht. Damals bei deiner Geburt, am ersten Pfingstfest, hat der Heilige Geist die Menschen begeistert. Er war da, hat so viele Menschen bewegt, hat ihnen Kraft und Halt für ihr Leben gegeben.

Da war auf einmal ein Gemeinschaftsgefühl, ein Wir-Gefühl, das einfach nur fröhlich gemacht hat. Ansteckende Begeisterung. Da möchte ich rufen:

O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

Diese Waffen Jesu waren ja erstaunlich schlaff aussehend:

  • Den Anderen mit den Augen der Liebe sehen,
  • sich und den Anderen Vergebung zugestehen
  • Frieden ausprobieren,
  • Besonnen, gelassen, ohne zurückzublicken und nachzukarten, die
  • gemeinsame Zukunft in den Blick nehmen,
  • den Träumen trauen
  • sich mutig zurücknehmen
  • dem Schwachen Vorrang gewähren
  • Chancen ergreifen …

Wir Christen glauben an eine Kraft hinter dieser Welt, die uns liebt und trägt, wenn wir nicht mehr können, die uns wieder in Schwung bringt, die uns nach einer Zeit der Lähmung wieder die Augen öffnet für das, worauf es im Leben doch eigentlich ankommt und uns mit Licht und Klarheit aus der Verblendung der kleinlichen, selbstsüchtigen alles überschwemmenden Lügen befreit.

Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

Also: wir brauchen in der Kirche das, was uns von allen anderen unterscheidet: Klare Rede. Aufrichtigkeit. Eine Gemeinschaft bilden, in der Einer den Anderen trägt.

Vor allem: Sich immer wieder die Kraft schenken lassen, die aus der Gemeinschaft mit Jesus erwächst. Das sind die Waffen aus Höhe. Das macht Kirche zeitlos attraktiv und modern. Denn damit sind unsere Sehnsüchte angesprochen: Sehnsucht nach Wahrheit, nach Ehrlichkeit, nach Gemeinschaft, nach Sinn im Leben. Die Begeisterung kommt dann von ganz alleine. Wenn ich nämlich diese Werte erfahre. Wenn ich erlebe, dass wir Christen anders miteinander umgehen, dann gibt mir das Kraft, dann will ich das weitergeben, davon erzählen, andere begeistern.

In einer Zeit der Fakenews, der dreisten Verdrehung der Wahrheit, des Ersetzens der klar sichtbaren Wahrheit durch Lüge und der Flucht in Verschwörungsszenarien in eine Welt, in der ich keine Verantwortung mehr übernehmen muss oder unangenehme Wahrheiten akzeptieren muss, weil ich die Schuld, die Verantwortung ja so leicht Anderen aufbürden kann, brauchen wir den befreienden Wind des Heiligen Geistes.

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

Was ist dieses Evangelium, das Herz und Lippen wieder in Bewegung setzt? Was hatte die Frauen und Männer um Jesus fasziniert und verwandelt? Was hat die Urchristenheit in die Freiheit katapultiert? Was macht unsere Kirche aus?

Ich freue mich darüber, zu einer Gemeinschaft zu gehören, die klar und aufrichtig ist, wo das ehrliche Wort zählt, wo ich dazu gehöre, weil ich bin wie ich bin, wo Menschen den Mut haben sanft zu sein, und den Mut zu dienen, wo jedem Menschen ohne Ansicht seiner Herkunft und seiner Vergangenheit Respekt entgegengebracht wird, wo Menschen wichtiger sind als Ordnungen, wo Menschen wagen kreativ zu sein, wenn etwas festgefahren ist, wo Menschen mich in den Arm nehmen, wenn ich traurig bin (ok, jetzt nur mit Blicken und Worten auf Abstand), wo Menschen wagen, nicht die Augen zu verschließen vor unserem Raubbau an der Natur, wo sie den Mut haben auch einschneidende Konsequenzen zu ziehen, wo Menschen gerne geben und teilen, wo Menschen darauf vertrauen, dass Gott uns am Ende nicht fallen lässt und wir deswegen miteinander singen und musizieren lachen und feiern dürfen. Das ist eine Gemeinschaft, die meinem Leben einen Sinn gibt.

Da bleibt mir zum Schluss nur der Wunsch und die Bitte:

Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Feiern wir den Geburtstag dieser wunderbaren Kirche!
Amen.

Christof Henzler, Pfarrer an der Auferstehungskirche Bamberg

 

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Taizégebet im Juni

2. Juni 2020 – zum Anhören und Mitsingen und Beten

♫ Jubilate Deo

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes

Jesus sagte: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht empfangen, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

♫ Ubi caritas et amor

In die Stille nehmen wir die Frage hinein:
Wann habe ich gespürt, dass Gott mir nahe ist?

Fürbitten:

Komm, Heiliger Geist, lass vom Himmel her deine Liebe erstrahlen.

Komm, Vater der Armen, komm, Geber aller Gaben, komm, Licht der Herzen.

Vollkommener Tröster, du lässt in unseren Herzen den Frieden wohnen, komm, Heiliger Geist.

Tränke unsere Dürre, heile unsere Wunden, komm, Heiliger Geist.

Veni Sancte Spiritus

Vaterunser

Segen

 

Team Erlöserkirche


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Bibel-Erlebnispfad im Hainpark

Für einen Familienausflug im Hain haben wir einen Bibel-Erlebnispfad mit lustigen Aktionen vorbereitet. Es ist für alle von klein bis groß etwas dabei, am besten macht man sich als ganze Familie auf den Weg. Man braucht kein Material mitnehmen, außer vielleicht ein Picknick, um sich am Ende der Entdeckungstour stärken zu können. Die Stationen sind ab Pfingstsonntag, den 31. Mai bis Sonntag, den 14. Juni jeden Tag frei zugänglich. Beginn ist bei der kleinen Brücke am Hainspielplatz.

Pfingstmontag – Ökumenischer Gottesdienst

1. Juni 2020 – Pfingstmontag

Ökumenischer Gottesdienste um 10 Uhr in der Erlöserkirche mit Pfarrerin Anette Simojoki und Diakon Dr. Ulrich Ortner – Bitte beachten Sie die besonderen Schutzmaßnahmen.

Leider hat die Technik wieder nicht mitgespielt und der Livestream ist abgebrochen. Wir begeben uns auf die Fehlersuche …

Liedtafel:
EG 136 1+7 O komm, du Geist der Wahrheit
EG 564 Komm, Heilger Geist

 

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Pfingstsonntag – Gottesdienste

Aufgrund einer kleinen technischen Störung ist der Livestream kurz vor dem Ende des Gottesdienstes leider abgebrochen. Wir bitten um Entschuldigung. 


31. Mai 2020 – Pfingstsonntag

Gottesdienste um 8 und 10 Uhr in der Erlöserkirche mit Prädikant Martin Neubauer – Bitte beachten Sie die besonderen Schutzmaßnahmen.

Den Gottesdienst um 10 Uhr übertragen wir als Livestream hier auf dieser Seite.

Liedtafel:
EG 136 1+7 O komm, du Geist der Wahrheit
EG 133 1+6 Zieh ein zu Deinen Toren

Von 11 bis 12 Uhr findet wieder ein Online-Kirchenkaffee statt – Herzliche Einladung auch dazu!


Und aus dem Dekanat Bamberg:
Das Team „Schnipselgottesdienst“ hat für diesen Sonntag den Gottesdienst Begeistert aufgenommen.
 

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Seelenstreichler – Gedichte

29. Mai 2020 – Zum Zuhören und Mitlesen

So schön dieses Leben, so zerbrechlich – Juliane Fuchs

So schön dieses Leben
so zerbrechlich
Der Mond für Augenblicke
Von den dunkel dräuenden Wolken entfernt
Das Lächeln um Haaresbreite
Den trostlosesten Tränen entkommen
Ein Herzschlag für eine Handvoll Zeit
Mit dem meinen im Takt
So gefährdet dieses Leben
und doch
Überstrahlt der vollkommene Schimmer des Monds
Das Schwarz der Nacht
Zeichnet das Lächeln seine Geschichte
Neben die fassungslose Tränenschrift
Bleiben die Herzschläge im Takt
Unverrückbarer Teil meiner Erinnerung
Meiner selbst
So zerbrechlich dieses Leben
so schön
 

Wenn Dunkelheit die letzten Strahlen verschluckt – Juliane Fuchs

Wenn Dunkelheit die letzten Strahlen verschluckt
Und die Schrecken der Nacht sich rühren
Lass die Hoffnung auf Tageslicht wachsen
Wenn Winterwind die Blätter wegfegt
Und klirrende Kälte uns erstarren lässt
Wecke die Sehnsucht nach Rosenduft
Wenn Abschied unseren Blick beschwert
Und Bangigkeit unser Herz bedrängt
Stimm an den Traum vom Wiedersehen
Wenn unser Atem kurz wird
Und versiegt
Umarme uns mit Deiner Liebe
Gott
 

Willkommen, Stille – Juliane Fuchs

Willkommen, Stille,
Breite Dich in mir aus
Ertaste meine gebrochenen Flügel
Spüre mein zerfetztes Herz
Komm, Du,
leiser
als meine verzweifelten Klagen
schweigsamer
als mein wildes Aufbegehren
Komm, Stille,
ich sehne mich nach Dir

 

Juliane Fuchs
 

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Jesus betet für uns

28. Mai 2020 – Zum Zuhören und Mitlesen

Jesus betet - Ölbergstation in Burgebrach

Jesus betet für uns – Günther Schardt

Diese Ölbergstation steht vor der Kirche in Burgebrach. Jesus betet darum, dass dieser Kelch vorübergehe und seine Jünger sind müde und schlafen. Diese Skulptur schildert das Geschehen im Garten Gethsemane unmittelbar vor der Verhaftung Jesu.

Auch in unseren Tagen gibt es viel Grund zu beten: Dass der Kelch der Corona-Gefahr an uns vorübergehe, an uns persönlich und unseren Familien, an unserem Land, an unserer Welt.

Wer betet, gesteht sich ein, dass er bedürftig ist, dass er nicht alles im Griff hat und nicht alles machen kann. Wer betet, wendet sich an eine Macht, die größer ist. Diese Macht ist der Urgrund des Lebens. Jesus nennt sie Vater. Zu ihm betet er immer wieder. Auch als er spürt, dass der Tod nahe ist. „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Im beten ist Jesus ganz menschlich, ist er uns ganz nahe. Und er fügt hinzu: „Doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst.“

Beten heißt sich seine Bedürftigkeit eingestehen. Aber beten wie Jesus heißt auch einwilligen in den Willen Gottes, sich ihm anvertrauen in allem und trotz allem, was geschieht. Und so betet Jesus im Sterben am Kreuz: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ Wer betet, spürt, dass er nicht allein ist, sondern getragen wird von der großen Macht des Lebens.

Diese Erfahrung haben wohl auch viele Menschen in den letzten Wochen gemacht. Sie haben gebetet und sich dabei getragen gefühlt von einem großen Netz, dem Netz der Gebete Anderer, dem Netz der Liebe Gottes. Und das Beten hat ihnen die Angst genommen, hat ihnen Kraft und innere Ruhe geschenkt. Und vielleicht waren es nicht nur ausgefeilte Hygienekonzepte, die uns vor schlimmeren bewahrt haben, sondern eben auch Gebete. Dann wäre Beten sogar systemrelevant.

Und noch eins ist mir eine große Hilfe. Jesus betet, auch wenn seine Jünger mutlos und schläfrig sind. Jesus betet auch für uns heute. Er betet, auch wenn wir müde sind und manches verschlafen wurde. Er betet für die Ängstlichen. Er betet für die Gedankenlosen, die das Problem auf die leichte Schulter nehmen. Er betet für die Sterbenden. Er betet für die, die um das Leben anderer kämpfen. Er betet für die, die Angst haben um ihre Existenz. Er betet für die, die einsam sind, weil niemand zu ihnen kommen kann. Er betet für die Opfer häuslicher Gewalt und auch für die, von denen diese Gewalt ausgeht. Er betet, dass dieser Kelch vorüber geht.

Ist es nicht tröstlich zu wissen, dass da einer ist, der für uns betet, für Jeden und für Jede in ihren jeweiligen bedrohlichen Situationen? Zu wissen, ich bin nicht allein. Jesus ist da und er betet für mich, für uns alle. Er betet auch für die, die nicht mehr beten können, für die, die es aufgegeben haben oder vielleicht nie gelernt haben.

Diese Ölbergstation, wie übrigens andere Ölbergstationen auch, steht nicht in einer Kirche, sondern davor, sozusagen in der Öffentlichkeit. Sie ist allen zugänglich. Das Gebet Jesu gilt nicht nur den Gläubigen, sondern auch Ungläubigen, nicht nur den Frommen, sondern auch den Zweiflern, nicht nur Christen, sondern auch Menschen aus anderen Religionen, auch für die, die meinen nichts zu glauben. Er betet für uns. Wir sind nicht allein.

Pfarrer i. R. Günther Schardt


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