Wir sind für Sie da!

110 Jahre Posaunenchor Erlöserkirche

Für den Sonntag Kantate, den 10. Mai 2020, war es groß geplant: Der festliche Gottesdienst zum 110. Jubiläum des Posaunenchores der Erlöserkirche (früher Posaunenchor des CVJM) zusammen mit weiteren Gastchören, dem Posaunenchor St. Stephan und dem Posaunenchor der ESG. Nach dem musikalischen Gottesdienst ein Kurzkonzert mit allen Chören vor der Erlöserkirche! Was für eine schöne Vorstellung! Nun wollte es die Realität anders. Wir feiern aber das Jubiläum trotzdem. Nur auf eine andere Art. Das aufgenommene Lied „Du meine Seele, singe“ nahm jeder Bläser zu Hause auf. Die Stimmen wurden danach elektronisch übereinander geschichtet und so entstand ein virtueller Posaunenchor.

Nächstes Jahr wird die Feier nachgeholt. Denn die symbolreiche Zahl 111 lädt zum gemeinsamen Zurückblicken, Musizieren, Feiern genauso gut ein wie die Zahl 110. Oder vielleicht noch besser?

Aus der Geschichte des CVJM/Erlöser-Posaunenchores

(nach einem Bericht von Egon Hechtfischer)

1910, nur ein Jahr nach der Gründung des CVJM rief Pfarrer Bernhard Koch den Posaunenchor ins Leben. Entsprechend seiner Wurzel im evangelischen Jugendverband CVJM war der Chor über weite Strecken seines Bestehens ein Teil evangelischer Jugendarbeit. Nach wenigen Jahren verfügte der Chor über rund 30 Bläser und trug mit seiner Musik zum Gemeindeleben der Kirchengemeinde St. Stephan bei (die anderen evangelischen Gemeinden gab es damals in Bamberg noch nicht). Die Proben fanden im kleinen Zentralsaal (Evangelisches Vereinshaus) statt.

Der 1. Weltkrieg unterbrach ab 1917 die Chorarbeit. Doch schon 1919 regte sich wieder neues Leben. Geprobt wurde nun in der „Kinderbewahranstalt“ des Evang. Diakonievereins in der Heiliggrabstraße 63.

Während der Kriegsjahre 1939-1945 war völliger Stillstand. Erst 1947 konnten wieder erste Proben gehalten werden. Mit dem Einsatz des ersten Jugenddiakons Fred Hacker gelang es wieder junge Leute an den Chor heranzuführen. Einer von diesen, Til Steinert, baute einen Jugendposaunenchor auf. Aus ihm ist heute noch Werner Hein im jetzigen Posaunenchor mit dabei. Der Chor mit ca. 15 Bläser begleitete und gestaltete das kirchliche Leben in den Kirchengemeinden St. Stephan, Erlöser, Lichteneiche, Auferstehung und St. Johannis Hallstadt mit, spielte bei Grundsteinlegungen und Einweihungen, bei Bibelwochen und ökumenischen Veranstaltungen. 1977 übernahm Walter Weisensee die Leitung. Nach dessen Tod im Juli 2012 trennt sich der Posaunenchor vom CVJM und schließt sich am 1. Januar 2014 der Erlösergemeinde an. Die festliche Einführung des Posaunenchores wurde am 25. Dezember 2013 in der Erlöserkirche gefeiert.

Bisherige Chorleiter des CVJM/Erlöser-Posaunenchores

Walter Weisensee – 1976 bis 2011
Reinhard Kelber – 2012 bis Mitte 2017
Reinhard Kelber / Knud Weiß – Mitte 2017 bis 2018
Knud Weiß / Dekanatskantor Martin Wenzel – 2018
Maximilian Leindecker – Februar bis April 2019
Annegret Battert-Neumann – Mai bis September 2019
Dekanatskantorin Markéta Schley Reindlová – seit September 2019

Bisherige Obmänner des Posaunenchores

Walter Weisensee – 1976 bis 2011
Edgar Ludwig – 2011 bis Februar 2020
Thomas Rettig – seit März 2020

Aktuelle Besetzung

1. Stimme: Werner Stubenrauch, Peter Hein, Eberhard Banzhaf
2. Stimme: Birgid Friedrich, Werner Hein, Thomas Görlich, Thomas Rettig
3. Stimme: Kathrin Thums, Edgar Ludwig, Susanne Böhme, Regina Hanemann
4. Stimme: Knud Weiß, Hendrik Barfuss, Christof Henzler

Der älteste aktive Bläser ist Werner Hein. Seit 1964 dabei!

Liebe Bläserinnen und Bläser, ich wünsche Euch allen weiterhin viel Freude beim Musizieren und freue mich sehr auf alle weiteren Proben und Auftritte mit Euch!

„Lobet den Herrn mit Posaunen“! (150. Psalm)

Eure Dekanatskantorin Markéta Schley Reindlová

 

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Kriegsende vor 75 Jahren

8. Mai 2020 – Zum Gedenken

Vor 75 Jahren endete der 2. Weltkrieg. Es war ein Tag der Befreiung, aber auch ein Tag der Sprachlosigkeit. Er setzte das Ende des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte und barg doch zumindest den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Es ist heute ein Tag der Erinnerung. Wir gedenken in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft. Dazu die vielen traumatisierten Menschen. Und auch der nachkommenden Generationen, die die Wunden fühlen – bis heute.

Pfarrerin Anette Simojoki


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Die eherne Schlange

23. April 2020 – Zum Anhören und Mitlesen

Über dem Seiteneingang neben dem Taufbecken unserer Kirche ringelt sich eine Schlange.

Bei genauer Betrachtung züngelt sie uns mit aufgerissenem Maul und spitzen Zähnen recht bedrohlich entgegen. Wie hat sie den Weg hierher gefunden? Diese eherne, also eiserne Schlange begegnet uns zuerst im Buch Numeri des „Alten Testaments“:

„Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“ (Num 21, 6-9)

Was soll diese Geschichte, was soll diese Schlange aber in diesen angespannten Tagen in unsere Gemeinde zischen?

Es glaubt ja wohl keine und keiner von uns, wir müssten nur diese Schlange ansehen und blieben von allen Krankheiten einschließlich auslösender Viren verschont.

Obgleich kühne Heil- und Gesundheitsvorschläge, gewürzt mit obskuren Verschwörungstheorien, derzeit vermehrt durch Internet und Köpfe geistern.

So verbreiten diverse Alternativ-Heiler, wer sich nicht fürchte, ein wenig faste und unbeirrt glaube, der bleibe zweifellos verschont. Fundamentalisten drohen, nur wer ohne Sünde ist, müsse sich nicht fürchten. Und wen es dann doch erwischt, tja – hat eben etwas falsch gemacht. Nicht fest genug geglaubt. Selber schuld.

Aus meiner Sicht, sind dies nicht nur überheblich herzlose, sondern auch gefährliche Haltungen.

Was aber lispelt die eherne Schlange mit ihrer gespaltenen Zunge dann auf uns herab?

Die Antwort findet sich im Johannes-Evangelium: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“ (Joh, 3, 14-15)

Der Menschensohn, erhöht durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten war zeitlebens ein Heilender. Aber er ging selbst den Weg des bittersten Leidens und ist dadurch mit jedem irdischen Leid solidarisch.

Das Heil, das Christinnen und Christen von ihm erhoffen, ist kein Hokuspokus, auch keine pseudo-heile Welt der Reinen und Starken, die Kranke und Sterbende ausklammert und mit sich allein lässt. Es ist die Hoffnung, dass am Ende nicht der Karfreitag, sondern Ostern stehen wird. So glaube und hoffe ich, die Schlange flüstern zu hören: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Mt, 28,20) Auch in dieser Corona-Zeit.

Vielleicht mögen ja auch Sie einmal in unserer Kirche verweilen und darauf achten, welche Gedanken und Gefühle die eherne Schlange in Ihnen persönlich weckt?

Martin Neubauer


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Löwenzahn

6. Mai 2020 – Zum Anschauen und Mitlesen

Warum sind Löwenzahnblüten gelb?

So fragt der Schriftsteller Reiner Kunze in einem Gedicht, das in vielen Lesebüchern steht. Und er gibt auch gleich eine Antwort:

Er sagt: Das weiß jedes Kind.

Im Frühling leuchten viele Blumen gelb, die Schlüsselblumen, der Hahnenfuß, die Wolfsmilch und vor allem der Löwenzahn. Leuchtend erhellt er jede Wiese und bringt mit dem Strahlenkranz seiner Blüten Freude und Licht. Nach der langen Zeit des Winters mit seinen Braun- und Grautönen, leuchtendes Gelb. Signale für Insekten und Freude für uns Menschen.

Reiner Kunze nennt die Löwenzahnblüten Briefkästen, die die Wiese aufgestellt hat und die sie all ihre Grüße steckt. Und die Briefträger sind Bienen und der Wind.

Und Sie und ich und jedes Kind …

Ja, die Kinder lieben den Löwenzahn, so, wie er da steht in seiner gelben Pracht. Leuchtend wie die Sonne, die Blüten auf den aufrechten Stängeln. Kinder pflücken die Blüten und machen lange Ketten daraus. Oder sie basteln aus den hohlen Stängeln eine Wasserleitung. Am liebsten mögen sie die Pusteblumen, deren weiße Kugeln sich durch Blasen und Pusten auflösen in eine Wolke kleiner weißer Schirmchen.

Ganz anders sehen viele Gartenbesitzer diese Pflanze. Mit ihrer langen Wurzel ist sie ein Überlebenskünstler, hartnäckig und widerstandsfähig wächst sie überall. Sie trotzt dem Einsatz des Rasenmähers, dem Versuch des Ausgrabens und die riesige Anzahl der Samen ist überwältigend.

Durch Kinderhand oder herrschende Windverhältnisse wird der Samen des Löwenzahns verbreitet. Wie kleine Fallschirme fliegen die vielen Samen davon.

Der Samen ist genügsam. Egal wo er landet, in einer Ritze, auf dem Rasen oder einem Beet, der Samen geht auf. Er sprengt sogar Asphalt und bringt dort Leben zurück, wo alles grau ist.

Wir kennen Jesu Gleichnis vom Sämann. Jesus vergleicht das Wort Gottes mit dem Samen, den der Mensch aussät. Jeder von uns kann wie der Sämann im Gleichnis oder die Pusteblume den Samen verbreiten.

Dies kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Eine liebevolle Geste, ein gutes Wort, ein Lächeln im Vorbeigehen, ein Dienst, den wir jemandem erweisen, eine Spende für Menschen in Not, durch das Eintreten für andere, das Parteiergreifen für Benachteiligte.

Wie der Löwenzahn seinen Samen ziellos aussät, sollten wir auch unsere Samen verstreuen, im Vertrauen darauf, dass durch unsere Gedanken, guten Worte und unser Handeln Gottes Wort Wurzeln schlagen wird.
 

Astrid Popp


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Taizégebet im Mai

5. Mai 2020 – zum Anhören und Mitsingen und Beten

♫ Laudate Dominum

Aus Psalm 18

Ich liebe dich, Herr, meine Stärke,
mein Retter aus der Gewalt.
Der Herr ist mein Fels, meine Zuflucht,
mein Gott, der mich befreit.

Er ist meine Feste, in der ich mich berge,
mein Schild und sicheres Heil.
Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!,
und ich werde gerettet.

In meiner Not rief ich zum Herrn
und schrie zu meinem Gott.
Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen,
mein Hilfeschrei drang an sein Ohr.

Sie überfielen mich am Tag meines Unheils,
doch der Herr wurde mein Halt.
Er führte mich hinaus ins Weite,
er befreite mich, weil er mich liebt.
 

Lesung aus Johannes im 20. Kapitel, Verse 24-29

Thomas, genannt Didymus, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete Jesus: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Wir nehmen diese Worte hinein in eine kurze Stille. Vielleicht mit der Frage: Was muss geschehen, damit meine Zweifel überwunden werden?

♫ Confitemini Domino

Christus, auferstanden von den Toten, dein Herz freut sich und deine Seele jubelt. Tröste alle, die im Unglück leben.

Auferstandener Herr, du verklärst unser Menschsein. Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe, wir bitten dich:

Veni Sancte Spiritus

Auferstandener Herr, in dir hat unsere Auferstehung auf der Erde bereits begonnen.

Auferstandener Herr, du erfüllst uns mit dem Frieden des Herzens, wir bitten dich:

Veni Sancte Spiritus

Auferstandener Herr, dein Geist verzehrt in uns alle Traurigkeit.

Auferstandener Herr, du versammelst uns in deinem Leib, der Kirche, wir bitten dich:

Veni Sancte Spiritus

Vaterunser

Segen

 

Team Erlöserkirche


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Zeit zum Gebet III

4. Mai 2020 – Zum Mitbeten

Zeit zum Gebet – ist jederzeit und überall. Für jede und jeden am eigenen Ort.

Wir beten für Sie in der Gebetsecke der Erlöserkirche.

Gerne können wir auch ihr Gebet oder ihre Anliegen, Dank, Klage oder Fürbitte mit aufnehmen und vor Gott bringen.

Sie können sie uns per E-Mail zukommen lassen – an gebet@erloeserkirche-bamberg.de – oder in die kleine Kiste bei der Gebetsecke in der Kirche einwerfen. Selbstverständlich werden wir keine Namen nennen.

'Zeit zum Gebet' stellen wir jetzt jeden Montag auf unsere Homepage.

Im Gebet sind wir verbunden, mit Gott und untereinander. Wir laden herzlich zum Mitbeten an ihrem eigenen Ort ein.

Anne Schneider und Anette Simojoki


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Online-Gottesdienst „Da ist einer“

3. Mai 2020 – Zum Mitfeiern

„Kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken!“ – Dieser Satz, der auch in der Erlöserkirche auf dem Altar eingraviert ist, ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt der heutigen Predigt.

Da ist Einer. Bei allen Mühseligen und Beladenen, aber auch bei allen Frohen und Beschwingten. In jeder Lebenlage. Gott ist da und wird immer da sein. Mit seiner Einladung: Kommt her zu mir alle.

Vikarin Julia Schwab, Orgel Markéta Schley Reindlová


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Ich bin die Tür

2. Mai 2020 – Zum Anschauen und Mitlesen

Liebe Besucherinnen und Besucher der Homepage der Erlösergemeinde! Liebe evangelische Schwesterngemeinde!

Am kommenden Sonntag, dem 4. Sonntag der Osterzeit, sagt Jesus im Tagesevangelium von sich: „Ich bin die Tür!“

Eine Tür ermöglicht, ein Gebäude zu betreten oder in einem Gebäude von einem Zimmer ins andere zu gehen, sofern die Tür offen ist oder sich öffnen lässt. Auch im übertragenen Sinn reden wir immer wieder von „offenen Türen“ oder „dem Tag der offenen Tür“.

In den letzten Wochen konnten wir zwar unsere Türen zur Außenwelt aufmachen und auch die Kirchentüren offen lassen für Besucher, aber eigentlich lautete die Devise: „Zuhause bleiben!“, nur in den wirklich nötigen Fällen das Haus verlassen. Alle sollten sich hinter ihren verschlossenen Türen vor Ansteckung schützen, vor allem damit sich der Virus nicht zu schnell ausbreitet und es zu keinen Pflegenotstand kommt.

Die Tür als Schutz vor Gefahren.

Doch schon bald berichteten die Medien von zunehmender häuslicher Gewalt hinter den verschlossenen Türen, vor allem an Frauen und Kindern.

Die verschlossene Tür als unüberwindliches Hindernis, als Zeichen der Unfreiheit, des Gefangenseins, auch im übertragenen Sinne.

Es ist klar, einer intakten Familie kann es auch hinter verschlossenen Türen gelingen, möglichst friedlich das enge oder auch beengte Zusammenleben zu meistern. Aber dies trifft nicht zu auf Familien, in denen sich die Ehepartner schon lange nicht mehr verstehen und lieber aus den Weg gehen oder andere Konflikte in den Familien brodeln.  

Ich selbst habe einen Bericht im Fernsehen von einer sechsköpfigen Familie gesehen, die in einer viel zu kleinen Stadtwohnung ohne Balkon und Garten lebt. Ein Kind der Familie steht kurz vor dem Abitur, findet aber verständlicherweise derzeit nicht die nötige Ruhe, um zu lernen, denn es gibt keinen ruhigen Rückzugsort.

Wenn ich in den letzten Tagen immer wieder einmal durch die Straßen meiner Pfarreien gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren bin, habe ich mich auch immer wieder gedacht: Was mag wohl jetzt in diesem Moment alles hinter diesen verschlossenen Türen geschehen?

Sicher passiert dahinter alles Mögliche: da gibt es ein friedliches Einvernehmen, aber auch Streit und Konflikte, da herrschen Einsamkeit und traute Zweisamkeit, usw.

Geschlossene Türen können Schutz bedeuten, aber auch das Gefühl von Gefangen sein geben. Es ist auch ein Unterschied, ob ich freiwillig die Tür zum Schutz schließe, oder ob ich gezwungen werde, staatlich verordnet, daheim zu bleiben.

Jetzt haben wir schon seit einer Woche eine kleine Lockerung der strengen Vorschriften, viele Geschäfte haben wieder offen und ab Montag dürfen nun auch wieder unter strengen Auflagen Gottesdienste gehalten werden.

Die Türen werden wieder leicht geöffnet und die Mehrheit ist sicherlich froh darüber.

Im heuten Sonntagsevangelium vergleicht sich Jesus selbst mit einer Tür. Aber nicht mit einer besonders prächtigen Tür, z. B. zu einem Palast, zu einer Kirche, zu einem Tempel, nein. Er ist die schlichte Tür zum Schafstall.

Jesus – eine Schafstalltür – eigentlich ein komisches Bild.

Während ich darüber nachdenke und ein passendes Bild auf Google suche, aber keines finde, lese ich noch einmal nach und stelle fest: Jesus ist nicht die Tür zum Schafstall, sondern zu den Schafen.

Was soll das bedeuten? Jesus ist die Tür, der Zugang zu den Schafen? Nur durch Jesus erreiche ich die Schafe?

Da erinnere ich mich an einen andere Bibelstelle, wo Jesus von sich sagt: Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die meinen und die meinen kennen mich und sie hören auf meine Stimme. Ähnliches ist ja auch im heutigen Evangelium zu lesen.

Da wird mir als Pfarrer und Seelsorger bewusst: Nur wenn ich im Sinne Jesu rede und handle, erreiche ich die Menschen. Übertragen auf unsere Gemeinde, oder auf alle Christen heißt dass, nur wenn wir im Sinne Jesu reden und handeln, erreichen wir unsere Mitmenschen. Nur so können wir sie für den Glauben, für die Kirche begeistern, nur so öffnen sie uns die Türen ihrer Herzen und wir dadurch ihnen Türen zu neuen Lebensperspektiven.

So wie es auch im Evangelium geheißen hat: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Jesus hat durch seine Lehre und vor allem durch sein Beispiel neue Lebensräume, neue Lebensperspektiven eröffnet.

Ich will es einmal an ein paar Beispielen verdeutlichen:

  • den Zöllner Zachäus hat er zur Umkehr berufen
  • der Ehebrecherin hat er einen Neuanfang ermöglicht
  • Blinde hat er sehen gemacht
  • Kranke geheilt
  • seine Jünger und auch andere Menschen hat er so begeistert, dass sie alles liegen und stehen lassen haben und ihm gefolgt sind.

Den wichtigsten Lebensraum, den er uns durch seinen Tod und seine Auferstehung eröffnet hat, ist die Tür zum Reich Gottes, zum ewigen Leben. Wer an ihn glaubt, hat Anteil am ewigen Leben.

Was bedeutet das nun für mich als Pfarrer, für uns als Kirchengemeinde? Erst einmal sind wir eingeladen, bewusst genauer hinter die Türen der Häuser und Wohnungen unserer Gemeinde zu schauen. Nein, nicht aus Neugier, sondern, um vielleicht leise, stille Schreie nach Hilfe wahrzunehmen, verborgene Armut zu erkennen, Einsamkeit zu spüren …

Wir sind eingeladen, von Jesus zu erzählen, im Sinne Jesu zu reden und zu handeln, um somit die Türen der Herzen unserer Mitmenschen zu öffnen, sie zu begeistern.

Wir sind eingeladen, neue Lebensperspektiven zu eröffnen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, den Menschen trotz so mancher Hoffnungslosigkeit Mut zuzusprechen, Hoffnung zu schenken, durch den Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben Trost in der Trauer zu spenden, den Glauben, die Gemeinschaft als Halt und als Kraftquelle zu erleben und erlebbar zu machen.

Wir sind eingeladen, die Türen unserer Herzen für andere zu öffnen und somit die Türen ihrer Herzen für die Botschaft Jesu zu öffnen.

Wir sind eingeladen, die Türen unserer Kirchen für alle offen zu halten und als offene Gemeinde jedem, der möchte, den Zugang zum Reich Gottes zu eröffnen.

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen einen gesegneten Sonntag. Amen.

Marcus Wolf – Pfarrer in St. Otto, St. Gangolf, Maria Hilf in Bamberg


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Der verlorene Schlüssel

1. Mai 2020 – Zum Anhören und Mitlesen

Schlüsselblume

Der verlorene Schlüssel

Eine alte Geschichte erzählt, dass die Menschen einmal den Schlüssel zum Himmel in ihren Händen gehabt hätten. Aber sie gingen leichtfertig damit um. Sie meinten, sie bräuchten den Schlüssel nicht. So ging er verloren. Und als man ihn nicht mehr hatte, da stellte sich das Verlangen nach ihm ein und man begann ihn zu suchen. Aber man fand dort, wo er gelegen haben soll, stattdessen Blumen, goldene Himmelsschlüssel.

Seitdem zogen die Menschen um die Osterzeit hinaus auf Wiesen an sonnigen Hängen mit einer heimlichen Sehnsucht im Herzen, banden die Himmelsschlüssel zu Sträußen und stellten sie zuhause in ihre Vasen um sich an den echten Schlüssel von einst zu erinnern.

Aber die Sehnsucht hat ein Ende genommen. Denn durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus den Schlüssel für uns wiedergefunden und uns den Weg zum Himmel aufgeschlossen.

Und er hat uns versprochen, dass er immer für uns da sein wird:

„Ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ (Mt 28, 20)

Wer Jesus gefunden hat, hat auch den Schlüssel zum Himmel gefunden.

Claudia vom Taizéteam


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Geh aus mein Herz und suche Freud

Fahrrad Impuls

30. April 2020 – Zum Lesen

Gedanken zum Radfahren in Coronazeiten

Seit 21. März gilt in Bayern die Ausgangsbeschränkung. Anders als in manchen anderen Ländern ist - Gott sei Dank – Sport und Bewegung im Freien erlaubt. Was man da als fahrradbegeistertes ADFC-Vorstandmitglied macht? Klar, man verlässt am Nachmittag das Home-Office und schwingt sich auf’s Rad. Draußen merkt man nichts von einer Pandemie, die Sonne scheint und die Natur blüht auf, Gottes Schöpfung zeigt sich von seiner schönsten Seite. In diesem Jahr – so geht es mir zumindest – nimmt man dies anders war. Man betrachtet die blühenden Bäume und die Blumen genauer und versucht sich an ihnen zu erfreuen. Doch in der Woche nach Ostern fiel mir dies zunehmend schwer. Die erste ADFC-Feierabendtour im Jahr 2020 – abgesagt! Radlergottesdienst am Sonntag mit anschließender Radtour nach Zeil – abgesagt! Es sind die fehlenden Kontakte, liebgewonnene Mitradlerinnen und Radler, die sich sicher auch auf die erste Tour gefreut haben, all das fehlt mir in dieser Zeit besonders.

Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen versuche ich diese Gedanken zu vertreiben. „Geh aus mein Herz und suche Freud“ – kommt mir dabei immer wieder über die Lippen.

Dieses Lied schrieb Paul Gerhardt in einer Zeit der Not und Zerstörung. 1653 hatte der Ort Mittenwalde in der Mark Brandenburg – wo er damals Pfarrer war – dreiviertel seiner Bevölkerung durch Krieg und Pest verloren. Wahrscheinlich hat auch er damals Trost und Hoffnung in Gottes Schöpfung gefunden.

Ich wünsche uns allen, dass uns dies in dieser schwierigen Zeit ebenfalls gelingt und dass wir diese Pandemie als Chance sehen, die Bewahrung der Schöpfung und den Klimaschutz zukünftig beherzter anzugehen.

Elke Pappenscheller – ADFC Bamberg


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