Passionsandacht 'Christen und Heiden'

1. April 2020 – Passionsandacht – zum Anschauen und Mitlesen

Morgengebet

Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten
und meine Gedanken sammeln zu Dir;
ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster,
aber bei Dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld;
ich verstehe Deine Wege nicht, aber
Du weißt den Weg für mich.


Passionsandacht 1. April 2020

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod
und vergibt ihnen beiden.

Dietrich Bonhoeffer ist sich der menschlichen Ängste und Bedürfnisse bewusst: in allen drei Versen reimen sich „Not“, „Brot“ und „Tod“. Sie halten den Menschen eingeschlossen in der Krise. Wie kann sie aufgebrochen, überwunden werden?

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not … In der Tegeler Zelle, die keinen Raum zum Gehen lässt, entsteht die Vision von Gottes Wende, von Gottes Gehen.

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not

Dietrich Bonhoeffer legte das Gedicht „Christen und Heiden“ dem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge vom 8. Juli 1944 bei. Es entstand in heißer Erwartung des immer wieder vereitelten Umsturzversuchs gegen die Tyrannei, dessen Scheitern am 20. Juli 1944 am Ende auch Dietrich Bonhoeffer mit in den Tod riss.

 

Pfarrerin Anette Simojoki


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